Annika Runz: Ursulinen ist...

Ursulinen ist vielfältig, ist bunt.

Ursulinen ist die morgendliche „Hey Mädls“-Durchsage, die mit dem Augenrollen in den Klassen schon einhergeht.

Ursulinen ist Frau Gebels Lächeln, wenn sie dir am Pausenverkauf deine geliebte Tomate-Mozzarella-Semmel überreicht.

Ursulinen ist die Atemnot, die jeden Lehrer beim Betreten des Klassenzimmers überfällt, weil er wieder einmal in eine Wolke aus Victoria’s-Secret-Bodyspray und Playboy-Deo gestolpert ist.

Ursulinen ist das obligatorische „My heart will go on“ im Musikunterricht, bei dem ich immer wieder weinen könnte.

Ursulinen sind die bunten Glitzerlöffel in der Schulküche.

Ursulinen ist, wenn du dich fühlst wie in Lindenhof bei Hanni und Nanni.

Ursulinen ist Frau Friedls rettende Wärmflasche bei Bauchkrämpfen.

Ursulinen ist, wenn aus einer Klassenleiterstunde plötzlich eine Kuchenstunde wird.

Ursulinen sind die verheulten Gesichter nach dem Hallelujah am Tag der Abschiedsfeier.

Unsere Schule ist manchmal lustig, manchmal spießig, manchmal anstrengend.

Meistens jedoch fühlt man sich geborgen und gut aufgehoben.

(ACHTUNG JETZT WIRD‘S KITSCHIG, aber da kommt der Nicholas Sparks in mir durch.)

Ursulinen ist für mich wie eine riesige, verrückte Familie.

Annika Runz hat den Text im Rahmen des Poetry-Slam-Workshops mit Lars Ruppel im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 9e verfasst.

 

 

Christina Trostl: Mädchen sein

Mädchen sein ist schwierig.
Mädchen sein ist eine Herausforderung.
Ein unerbittlicher Kampf, in dem alles, was man tut, falsch ist.
Game Over.

Mädchen sein ist leise.
Mädchen sein ist Schweigen.
Ein Schweigen, das niemand zu brechen droht, zu groß die Angst.
Stumm.

Mädchen sein ist hässlich.
Mädchen sein ist Konkurrenzdenken.
Pickel, Kurven, Hakennase.
Ekelhaft.

Mädchen sein ist gebunden.
Mädchen sein ist Wäsche waschen
man muss alles beachten, sonst ist sie eingegangen und unnütz.
Müll.

Mädchen sein kann friedlich sein.
Mädchen können eine Taube werden,
die ein Botschafter des Friedens wird.
Steigend.

Mädchen sein kann laut sein.
Mädchen können sprechen lernen,
um endlich gehört zu werden, der Mut gewachsen.
Laut.

Mädchen sein kann schön sein.
Mädchen können Schönheit verbreiten.
Komplimente schenken, jemanden ein Lächeln auf die Lippen zaubern.
Bezaubernd.

Mädchen sein kann befreiend sein.
Mädchen können die Seile reißen,
die sie zurückhalten, um endlich frei zu sein.
Freiheit.

Mädchen sein.

Christina Trostl hat den Text im Rahmen des Poetry-Workshops mit Lars Ruppel im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 10d verfasst.

Elena Niedermeier: Hey, Mädchen

Ich gehe die Straße entlang und bei jedem kurzen, hastigen Schritt hört man meine Absätze auf dem Asphalt. Klack, klack, klack. Meine Finger fassen den Griff meiner Tasche fester, die Knöchel stechen weiß hervor. Klack, klack, klack. Ein kurzer Blick über die Schulter, hinter mir ist niemand. Eine Laterne wirft spärliches Licht auf die Straße.
Ich biege um die Ecke, höre ein Klimpern, doch ich ignoriere es. "Hey, Mädchen", ertönt eine Stimme. Rau. Tief. Innerlich zucke ich zusammen. ("Hey, Mädchen, na, wie wär's mit uns zwei?", "Hey, Mädchen, es ist schon dunkel draußen, ich kann dich nach Hause fahren", "Hey, Mädchen, wieso kommst du nicht mit mir?") Doch ich drehe mich um, ein kleines Lächeln auf den Lippen. Vor mir steht ein älterer Mann und bevor ich etwas sagen kann, hält er mir einen Schlüsselbund - meinen Schlüsselbund - hin. "Der ist dir aus der Jackentasche gefallen."
"Oh", entgegne ich und nehme den Schlüsselbund wieder an mich, schiebe ihn zurück in meine Jackentasche, "Danke."
Der Mann nickt nur und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich zupfe an meinem Rock, der plötzlich viel zu kurz scheint, obwohl er mir doch fast bis zu den Knien reicht, lasse meinen Blick schweifen. An die nächste Hauswand gelehnt steht eine Tasche, daneben ein Schlafsack. Der Fremde muss dort gesessen sein. Ich hatte ihn wohl in meiner Eile übersehen. (Wieso ich es so eilig hatte, das weiß ich selbst nicht)
"Danke", sage ich wieder und gehe weiter.

Elena Niedermeier hat den Text im Rahmen des Poetry-Slam-Workshops mit Lars Ruppel im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 9e verfasst.

Emily Hoffmann: SCHULE

Die Schule ist ein Teil deines Lebens.
Du kannst dort lernen, lachen und einfach nur leben.
Diese drei Dinge sind wichtig:
du musst einfach alles geben!
Habe Spaß und treffe Freunde,
sei du selbst und verstelle dich nicht!
Und zwar für nichts auf der Welt.
Das führt dich zum wahren Licht.
Mach nur das, was dir gefällt!
Lass es raus!
Gib nicht auf!
Die Schule, sie ist wie dein Haus.
Genieße einfach diese Zeit,
denn diese Jahr vergehen so schnell.
Und bis du schaust, it's schon so weit:
Dann stehst du vor der Tür,
und fragst: "Was soll ich hier?"
Doch es geht weiter mit dem Leben,
du willst vielleicht ein Ziel anstreben.
Sei immer motiviert
und auch gern mal konzentriert!
Sei dein eigener Held
bis ans Ende dieser Welt!

Emily Hoffmann hat den Text im Rahmen des Poetry-Slam-Workshops mit Lars Ruppel im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 8d verfasst.

 

 

Regina Stanglmaier: Aber immer noch Hunger!

Maaann, wann ist endlich wieder Pause?? Ich hab Hunger! Eine Breze wär jetzt cool. Was? Was ist Hausaufgabe? Vor lauter Essen im Kopf hab ich`s nicht gehört. Wo ist denn überhaupt mein gelber Textmarker? Wahrscheinlich unauffindbar verschollen in einem Mäppchen von einer aus meiner Bankreihe. Ja genau, Uhrzeiger, bleib einfach bei fünf vor elf stehen. Hätte ich an deiner Stelle auch gemacht, wenn du in der nächsten Stunde eine Matheex schreiben würdest. Aber ich kann die Zeit nicht anhalten.

Was schreiben die anderen da? Ach, bloß der nächste Schulaufgabentermin. Danke dafür. Fünf Minuten Pause und eine Breze würden mir schon reichen. Und wenn mir einer einen Textmarker der Farbe Gelb zurückgäb.

Okay, mit dem An-der-Uhr-drehen wird’s nichts, also noch ein bisschen Physik. Wer macht überhaupt solche Stundenpläne?  Physik, keine Pause und dann Mathe? Wahrscheinlich Leute, die im Besitz von gelben Textmarkern sind. Und die in der Pause eine Breze essen konnten. Auf den gelben Textmarker setze ich jetzt mal keine Hoffnung mehr, mach ich halt mit dem grünen weiter. Stundenwechsel. Endlich. Der Uhrzeiger hat sich immer noch nicht bewegt, aber meine Klasse bewegt sich jetzt vom Physiksaal zum Klassenzimmer. Und was sehe ich da am Gang liegen? Meinen gelben Textmarker. Wenn ich jetzt noch Batterien für die Uhr und eine Breze finde, wäre ich schon ziemlich zufrieden. Dann noch ein bisschen mathematisches Wissen über Parabeln und das ganze würde schon mal viel besser aussehen. Noch besser sieht die Ex bestimmt aus, wenn man die Angabe mit gelbem Textmarker markiert und auf der Uhr lesen kann, wie spät es ist. Nach Mathe ist Pause. Endlich. Mathe und Physik geschafft. Aber immer noch Hunger!  

Regina Stanglmaier hat den Text im Rahmen des Poetry-Slam-Workshops mit Lars Ruppel im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 10c verfasst.

Magdalena Thaler: Sechste Stunde am Freitag

Sechste Stunde am Freitag vor der Lehrerkonferenz und danach noch eine Stunde nach Hause fahren. Als mir ein Papierflieger direkt ins Gesicht knallt, kann ich mich nicht mehr halten. Nach einem halben Tag reinen Horrors, lasse ich meine gesamte Frustration hinaus: „Fresse jetzt, oder es gibt einen Klassenverweis!!!“ Stille. 34 erstaunte und beleidigte Gesichter glotzen mir entgegen. Kaum wende ich mich der Tafel zu, erklingen hinter mir schon die ersten Flüsterbeleidigungen. „Was will denn der jetzt?“ und „Spießer!“ sind da noch die harmlosesten. Nichts Neues für meine Wenigkeit, doch den Praktikanten verschlägt es da schon mal die Sprache. Warum habe ich nur gedacht, ich könnte das schaffen? Diesen bescheuerten Kreidestaub und die noch bescheuerteren Kinder ertrage ich nicht mehr lange. Nicht mal meiner Frau kann ich meine Probleme anvertrauen. Nach dem Satz: "Augen auf bei der Berufswahl!", würde der Fernseher wahrscheinlich aus dem Fenster fliegen. Hab sowieso keine Zeit, ihn zu benutzen, denn wenn ich endlich daheim ankomme, ist nix mit Feierabend. Da geht es mit Korrigieren und Unterrichtsvorbereitung weiter. Die Ausrufe der Schüler holen mich aus meiner Starre zurück. „Vielleicht hat er einen Anfall“, erklingt es da hinter meinem Rücken. „Hoffentlich haben wir Glück und er fällt für’s restliche Schuljahr aus!“ Ich bin kein Waschlappen, der bei jeder Kleinigkeit zu jammern anfängt, doch was zu viel ist, ist zu viel. Seit geschlagenen zehn Jahren arbeite ich schon als Lehrer und habe mich bemüht, meinem Beruf gerecht zu werden, aber irgendwann ist sogar der "Herr Müller" der Schule am Ende seiner Kräfte. Mein Geduldsfaden ist gerade mit einem lauten „Plopp“ gerissen. Mit dem Satz "Sucht euch einen anderen Idioten!“ trete ich die Tür auf und stürme hinaus auf den leeren, von Neonröhren beleuchteten Gang. Dieses berauschende Gefühl von Freiheit habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gespürt und ich habe nicht vor, es jemals wieder zu verlieren!

Magdalena Thaler hat den Text im Rahmen des Poetry-Slam-Workshops mit Lars Ruppel im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 8e verfasst.

Arlinda Hashani: distance und Francesca Albertini: Addio

Für viel Wirbel hat in Berlin Eugen Gomringers Gedicht "avenidas" gesorgt, das zu den bekanntesten Werken der von Gomringer mitbegründeten Konkreten Poesie gehört. Der bolivianisch-schweizerische Autor hat in seinem Gedicht Worte so angeordnet, dass sie Beziehungen eingehen, wie einzelne Sterne in einem Sternbild. Ungeachtet des Streits, der an der Alice-Salomon-Hochschule zu diesem Gedicht ausgebrochen ist, haben Arlinda Hashani und Francesca Albertini aus der 10c persönliche Parallelgedichte zu avenidas verfasst und dabei wie Gomringer an ihre eigenen sprachlichen Wurzeln, also ans Albanische bzw. Italienische angeknüpft. Beim Klick aufs Videosymbol lesen die beiden ihre Texte vor.

Vivien Schnürer: Der Schatz im geheimnisvollen Wald

Es war ein sonniger Sonntagmorgen, 10:30 Uhr, um genau zu sein. Ich hatte heute mit meiner gleichaltrigen Nachbarin Ella vereinbart, mich mit ihr in dem geheimnisvollen Wald zu treffen, der an mein Haus angrenzte. Es wurden zwar öfter einmal seltsame Geschichten über ihn erzählt, doch trotzdem dachten Ella und ich nicht, dass wir in diesem Wald einen echten Schatz finden würden.

„Komm schon, Paul!“, rief Ella von oben. Ich blickte hoch und verdrehte die Augen, als ich sah, dass sie sich es schon auf einem Ast bequem gemacht hatte. Im Stillen fragte ich mich, wie sie nur so schnell diesen Baum hochklettern konnte. Ich hatte Mühe, überhaupt hinterherzukommen. Endlich erreichte ich den Ast über mir und zog mich langsam daran hoch. Das harte Holz grub sich in meine Hände, doch ich biss tapfer die Zähne zusammen. „Du bist aber langsam!“, maulte Ella, als ich mich auf den Ast ihr gegenüber setzte. „Gar nicht wahr.“ Ich verschränkte die Arme beleidigt. „Das ist ungerecht. Du hast einfach bessere Schuhe an als ich“, verteidigte ich mich. Sie lachte und gab mir einen Klaps auf die Schulter. Ich schmunzelte und blickte glücklich über den nun überschaubaren Wald hinweg. Ich lehnte mich an den harten Baumstamm und genoss die Stille. Immer wieder ertönte leises Vogelzwitschern und unterbrach kurz die Ruhe. Der Wind rauschte durch die Bäume und immer wieder guckte die Sonne durch die Baumkronen und strahlte warm auf meinen Rücken. „Hey!“ Ella rüttelte mich an der Schulter und zeigte auf den modrigen Waldboden. „Guck mal, da unten ist jemand.“ Und wirklich, mitten im Wald stapfte unter uns ein Mann durch das Gestrüpp. „Bestimmt nur der Förster“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu Ella. „Der sieht doch bestimmt nur nach, ob mit den Bäumen alles in Ordnung ist und setzt sich dann ganz normal, wie das Förster so tun, auf seinen Hochsitz. Vielleicht ist es ja auch nur ein Jogger“, flüsterte ich zu mir selbst. Aber es war kein Jogger und auch kein Förster. Der Mann hatte einen Aktenkoffer bei sich und trug eine dunkle Sonnenbrille. Er sah sich mehrmals panisch um und als sein Handy klingelte, erschrak er so sehr, dass er kurz aufschrie. Ella kicherte. „Guck mal, Paul, wie der sich anstellt.“ Ich antwortete nicht und beobachtete ihn weiter. Jetzt klappte er sein Handy auf und murmelte etwas. Was, wenn er eine Pistole dabei hat, dachte ich. Er würde doch bestimmt keinen Kindern wehtun, oder? Wir müssen ganz still sein, wiederholte ich wieder und wieder in meinem Kopf. Wir müssen ganz still sein…. Plötzlich ließ er den Koffer fallen und war genauso schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war. Mir schlug das Herz bis zum Hals, noch mehr, als ich sah, wie Ella auf einmal vom Baum heruntersprang. „Wow!“, rief sie und winkte mich zu sich herunter. „Guck dir das mal an!“ Ich sprang auch herunter und schlug mir die Knie auf, was ich aber aus Neugier genauso ignorierte, wie mein immer stärker werdendes Hungergefühl. Sie klappte den Koffer noch einmal für mich auf und zeigte mir die vielen Hundert- und 500-Euro-Scheine, die fein säuberlich geordnet waren. „Was machen wir damit?“, fragte ich, ohne meinen Blick von dem Geld abzuwenden. „Behalten! Das ist unser Schatz!“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, das geht nicht. Ella, wir müssen ihn zur Polizei bringen.“ Sie verdrehte erst die Augen, aber nickte dann.

Und so fanden wir den Schatz im Wald, den wir später auch zur Polizei brachten. Den geheimnisvollen Mann allerdings habe ich nie wieder gesehen.

Vivien Schnürer hat den Text im Rahmen einer Schulaufgabe (Erzählen zu einem Bild) im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 8f verfasst.

Elena Bieringer: Der perfekte Tag

Ich bin so aufgeregt, dachte ich mir, als ich nur in Unterwäsche vor dem Ganzkörperspiegel stand und auf meine Schwester wartete. Ich hatte schon lange auf diesen Tag hingefiebert und heute musste alles perfekt sein. Ich drehte meinen Kopf ein wenig nach links, um das weiße Kleid, aufgehängt an einem hellbraunen Kleiderhaken, sehen zu können. Der obere Teil war weiß und weiter unten wurde es dann langsam hellblau. Ebenfalls gab es dicke Träger und eine lange Schleppe mit kleinem Blumenmuster darauf. Ein Traum, dachte ich mir, als ich das zweitausend Euro teure Gewand betrachtete. Meine Gedanken wurden von meiner kleinen Schwester Syntia unterbrochen, als sie mit dem Schleier zurück in das Ankleidezimmer kam. „Jetzt steh da nicht so rum. Du hast nicht mehr so viel Zeit, also zieh endlich das Kleid an“, schimpfte sie sanft, als sie den Schleier über einen Stuhl legte und mit dem Kleid zu mir herüberkam. Sie öffnete den Reißverschluss und ich schlüpfte schnell hinein, bevor sie anfing, das Gewand wieder zuzuknöpfen, doch bei der Hälfte hörte sie plötzlich auf. „Was ist los?“, fragte ich etwas in Panik geraten. „Passt das Kleid etwa nicht mehr? Oh Gott! Was soll ich denn jetzt tun?! Ich hätte bei der Kuchenprobe doch nicht soviel essen sollen“, schrie ich verzweifelt und ich spürte, wie Tränen sich in meinen Augen sammelten. „Jetzt hör doch auf, so rumjammern“, sagte Syntia gereizt. „Der Reißverschluss hat sich nur eingeklemmt.“ Und wie auf Stichwort fuhr sie mit ihrer Arbeit fort, bis das Kleid zu war und ging weg, um den Schleier zu holen. Erleichtert atmete ich aus und versuchte, mein schnell schlagendes Herz wieder zu beruhigen. Syntia kam zurück und steckte mir den Reifen in die Haare. „Vorsichtig!“, rief ich aus „Du zerstörst die Frisur!“ „Keine Sorge, du Drama-Queen!“, lachte meine kleine Schwester und ich warf ihr durch den Spiegel einen genervten Blick zu. Warte nur, bis du mal heiratest, dachte ich mir und konzentrierte mich wieder auf die Hände, die vorsichtig den Haarreif des Schleiers in meine Haare steckten. Ich wette, du würdest genau so aufgeregt sein. „Wow“, murmelte ich, als Syntia einen Schritt zurücktrat und mich allein vor dem großen Spiegel ließ. „Das sieht ja noch besser aus als bei der Anprobe.“ „Jetzt komm. Papa wartet draußen“, sagte sie und auf einmal wurde ich extrem aufgeregt. Es passiert wirklich, ich werde heiraten! Und Kris wird bestimmt ganz toll in seinem Anzug aussehen. Hoffentlich wird alles so sein wie gedacht. Es muss perfekt werden! Ich spürte, wie meine Hände schwitzig wurden und mein Herz anfing, wieder schneller zu schlagen. Meine Schwester nahm die lange Schleppe in die Hand und ging hinter mir nach draußen, damit der weiße Stoff nicht schmutzig wurde. Draußen wartete schon mein Vater vor dem Hochzeitswagen. Das Auto hatte ich vorher noch nicht gesehen, aber es sah wirklich toll aus mit seiner bronzefarbenen Lackierung, den bunten Blumen und den lila Schleifen. „Du siehst wunderschön aus“, sagte er und nahm meine Hand mit einer seiner Hände, während er mit der anderen die Autotür öffnete. „Danke“, sagte ich errötend, als ich in das Fahrzeug stieg und meine Schwester die Schleppe ebenfalls hineinlegte. Na dann los, dachte ich mir, als ich die Tür schloss und den Sicherheitsgurt anlegte. Hoffentlich läuft alles nach Plan.
  
Elena Bieringer hat den Text im Rahmen einer Schulaufgabe (Erzählen zu einem Bild) im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 8f verfasst.

Melanie Kilian: Vor, zurück, vor, zurück, Tsunami

Babysitting. Ja, ja man stellt sich von man kümmert sich à la Mary Poppins um die Kinder: Die Kinder gehorchen auf Anweisungen wie kleine Soldaten und es ist leicht verdientes Geld, mal ein paar Stunden auf die Rasselbande aufzupassen. Das wird ein Kinderspiel. Man stelle sich folgende Situation vor: Die Mutter der Kinder ruft mich an und eine halbe Stunden später stehe ich auf der Matte, um mich um meine Schützlinge zu kümmern.

Mein Triple-Trouble: zehn Monate, zwei und vier Jahre alt. Die Kleine kann aus ihrem Bett nicht weg und die zwei Großen sind in etwa so leicht zu finden, wie ein Elefant im Porzellanladen, einfach nur dem Lärm nach. Das Kinderzimmer: die Puppen, Autos und Kuscheltiere liegen überall auf dem Boden herum. Für mich grenzt es an eine Unmöglichkeit, mich normal in diesem Raum zu bewegen.  Ein schrecklicher Schmerz durchfährt meinen Fuß. Ein Legostein, Lego duplo, ein Vierer - Das sind die schlimmsten, unzerstörbar diese Dinger! Natürlich habe ich gerade noch die Hände voll. kann mich nicht abfangen, um auf keinen Fall auf eines der Kinder zu fallen, rolle ich mich mit einer doppelten Ninja-Rolle zur Seite. Ich liege in der stabilen Seitenlage in einem Meer von Spielzeug, neben meinem Gesicht hockt Noah, der auf mich zurobbt und mit seinem Spielzeugauto zur Begrüßung über mein Gesicht fährt. Mein Riechzentrum meldet sich: Volle Pampers! Wickeln ist angesagt. Am Anfang war es wirklich einer meiner leichtesten Übungen, die kleinen Stinkbomben sauber zu machen, doch mittlerweile versucht er sich wie ein glitschiger Fisch an Land von der Wickelunterlage zu drehen.  Finn ist währenddessen nebenan und mein kleiner Picasso sollte eigentlich nur seinen Malblock verschönern, doch dann nehmen meine Ohren das schreckliche Reiben von Wachsmalkreide auf Tapete wahr. Ich hechte mit Noah im Arm zurück ins Kinderzimmer und konfisziere die Tatwaffe. Nun schmückt eine Farbe mehr die eh schon augenkrebserregendbunte Tapete. Essenszeit.

Meine kleine Babysirene schreit sich die Seele aus dem Leib. Der Windelriechtest ist negativ ausgefallen. Mit ihr auf dem Arm geht es in die Küche, im Stehen wippend kippe ich das Milchpulver in das Fläschchen. Die Hälfte geht daneben, das weiße Pulver auf der Küchentheke sieht aus, als hätte ich gerade gekokst. Ich schütte das kochende Wasser in das Fläschchen, das eigentlich für das Abendessen gedacht war. Zum Glück machen kleine Salzkörner das Wasser noch nicht unbrauchbar.

Der Cooltwister übernimmt für mich den Rest. Wie ein Tropf im Krankenhaus leert sich die eine Flasche und Füllt sich die andere. Prinzessin es ist angerichtet, okay, ich habe Unordnung in der Küche angerichtet, aber deine Flasche ist fertig. Plopp und schon nuckelt die Kleine, als wäre nie etwas gewesen.

Kleines Baby große Sorgen, großes Baby noch größere Sorgen. Damit sie nicht das Schreikonzert ihrer Schwester fortsetzen, dürfen Noah und Finn ihre Spaghetti mit Tomatensoße selbst essen. Ich führe trotzdem Noahs  kleinen Arm, denn ich möchte nachher die Wohnung nicht renovieren müssen. Den „Schmeiß einige Spaghetti an die Wand, um zu sehen, ob sie schon al dente sind-Test “ hat er mittlerweile perfektioniert.

Spielplatz. Immer eine gute Idee. Die Prinzessin ist im Nu eingeschläfert und die zwei Großen beschäftigen sich fast eine halbe Stunde alleine. Als Babysitterin ist das High Life, ich sag's euch.  Wir bringen wie immer so viel Sand mit nach Hause, dass wir bald einen zweiten Sandkasten füllen könnten, und ratet mal was passiert, wenn man sagt: "Jungs, springt nicht in die Pfütze!"

Was nach dem Spielplatz selten ausfällt, ist es, die Kinder zu baden. Eigentlich sollten nur die Kinder nass werden, jedoch bin ich danach mindestens genauso nass. Okay,  geben wir zu: Wir haben es als Kinder in der Badewanne alle gemacht. Vor, zurück, vor, zurück, Tsunami! Aber ich habe gerade keinen Spaß daran. Ein Fluss bahnt sich durch das gesamte Badezimmer. Eine Quietsche-Ente macht sich gerade auf den Weg von der Badewanne zwischen den Klamotten in Richtung Waschbecken. Ich bin fix und fertig. Mila schläft zum Glück immer noch und als ich meine zwei Schäfchen wieder im Trocknen  und die Feuerwehr das Badezimmer wieder ausgepumpt hatte, erlöste mich die Mutter.

Melanie Kilian hat den Text im Rahmen einer Hausaufgabe zum satirischen Schreiben im Schuljahr 2017/2018 als Schülerin der 10c verfasst.

Annika Runz: Die Kunst des Lebens

Der Regen plätscherte an den mit Moos bewachsenen Dächern herunter und das Gras war schon ganz aufgeweicht. In meinen Schuhen stand das Wasser, sodass es bei jedem Schritt quietschte. Wieder einmal sah ich ihr beim Malen zu. Es faszinierte mich jeden Tag aufs Neue, wie ihre Hand mit einer Leichtigkeit über die Leinwand huschte. Sogar im Regen malte sie. Den meisten wäre das zu blöd. Aber sie sah an jedem Tag die Chance, ein neues Kunstwerk zu zaubern. Jetzt nutzte sie gerade den Regen, um wilde Farbtupfer zum Verlaufen zu bringen. Sie trug einen Hut, eine einfache, blaue Bluse und einen Rock und stand konzentriert vor ihrer Leinwand. Das war die einzige Erinnerung, die sie an ihre Mutter hatte, die einzige verbliebene Verbindung zu ihr. Und dieser regnerische Tag ist meine letzte Erinnerung an sie, das malende Mädchen, meine Tochter. Wie ich auf dem Rasen neben unserem Haus stand, unter meinem Regenschirm und ihr einfach nur zusah. In diesem Moment überkam mich so viel Stolz, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Genauso wie jetzt, mit dem Unterschied, dass die Tränen heute einen anderen Grund haben. Trauer anstatt Stolz, Schmerz anstatt Freude, Verzweiflung anstatt Zuversicht. Ich sitze in meinem alten Sessel und stütze die Unterarme auf die Knie. Mein Blick wandert auf eines ihrer Bilder mit einer Entenfamilie am See, das über der alten Kommode hängt. Erneut verschwimmt alles vor meinen Augen. Erst die Entenmama, dann das Entenbaby und irgendwann würde auch ich verschwimmen. Warum passiert das alles mir? Warum musste ich mitansehen, wie der  Krebs die Phantasie erst aus meiner Frau und dann auch noch aus meiner Tochter herausfraß, sie dann mit Haut und Haaren verschlang? Meine Tochter war das Einzige, das mich noch erfreut hatte. Durch sie hatte mein Leben einen Sinn. Aber jetzt? Es fühlt sich an, als würden Meere aus meinen Augen herauskommen. Ich spüre einen Stich auf der linken Seite meiner Brust und denke, die Trauer, die Leere in meinem Inneren würde mich umbringen.

Annika Runz hat den Text im Rahmen einer Schulaufgabe (Erzählen zu einem Bild) im Schuljahr 2016/2017 als Schülerin der 8e verfasst.

Elena Niedermeier: Schafswolle

"Du kannst doch nicht einfach ein Schaf stehlen!" Aufgebracht fuhr er sich durch sein dunkelblondes Haar. Verständnislos blickte ihn die junge Frau, die vor ihm saß, an. "Warum sollte ich das nicht können?", wollte sie wissen und richtete sich etwas in ihrem Stuhl auf, "ich habe es ja getan, also kann ich es sehr wohl." Er schlug die Hände vors Gesicht. "Vielleicht, weil es verboten ist?", stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, doch die Frau lachte nur. "Ach was. Es wird schon nicht so schlimm sein, wenn ich es mir mal ausborge", meinte sie mit heiterer Stimme, "es ist ja nur für ein paar Tage und außerdem gefällt es ihm hier offensichtlich. Aber es braucht noch einen Namen. Fällt dir was ein?" Prüfend betrachtete sie das Schaf und streichelte ihm über den Hals. "Vera", sagte er nun etwas ruhiger, "du bist nicht ganz bei Sinnen." Seine Schwester war noch nie wirklich normal gewesen. Sie war immer besonders, war immer auffällig gewesen. Aber seit ihre Tochter Zoë gestorben war und man ihr ihre andere Tochter, Penelope, weggenommen hatte, war sie seiner Meinung nach nicht mehr zurechnungsfähig. Verglichen mit den anderen Dingen, die sie in den letzten Wochen getan hatte, war das Stehlen des Schafes eigentlich harmlos. "Ich bitte dich, geh zu einem Psychologen." Er streckte die Hand nach ihr aus, um ihr vorsichtig über die Schulter zu streichen, doch sie schreckte vor seiner Berührung zurück. "Aber Zoë liebt Schafe", entgegnete sie plötzlich sehr leise und jegliche Fröhlichkeit war aus ihrer Stimme gewichen. "Zoë ist nicht mehr", erwiderte ihr Bruder mit sanfter Stimme. "Es tut mir leid." "Ich weiß", flüsterte sie, "ich weiß das schon längst." Von ihren Wimpern tropften Tränen, heiße, salzige Tränen, die ihr über die Wangen liefen und in ihrem Schoß landeten. Ihre Arme legten sich um den Brustkorb und Hals des Schafes und sie presste schluchzend ihr Gesicht in die weiche Wolle des Tieres, was dieses nur mit einem leisen Blöken quittierte und ansonsten vollkommen ruhig stehen blieb. Und das Einzige, das der junge Mann tun konnte, war, seine weinende Schwester zu beobachten, denn egal, was er tat - sie ließ ihn nicht mehr an sich heran, nie mehr, denn er war derjenige, der ihr Zoë genommen hatte.

Elena Niedermeier hat den Text im Rahmen einer Schulaufgabe (Erzählen zu einem Bild) im Schuljar 2016/2017 als Schülerin der Klasse 8e verfasst.